Künstlerisches Portrait-Projekt „Dignitas“ (Würde)

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für geflüchtete Jugendliche und junge Erwachsene

Wir sind da!

Künstlerisches Portrait-Projekt „Dignitas“ (Würde)

für geflüchtete Jugendliche und junge Erwachsene

Wir sind da!

Sie sind jung, haben ihr Leben noch vor sich und kommen aus Syrien, Afghanistan, dem Irak  oder aus Eritrea: Ein großer Anteil der nach Deutschland geflüchteten Menschen seien Kinder und Jugendliche, hieß es Anfang Februar 2016 seitens des UN-Kinderhilfswerkes UNICEF. Und ganz gleich, wie ihre Herkunftsländer auch heißen – es sind vor allem die ganz jungen Menschen, die von der Öffentlichkeit in besonderem Maße als Opfer von Krieg und Vertreibung empfunden werden: Aufgrund ihres geringen Alters wurden sie ohne eigenes Zutun aus einer Umgebung herausgerissen, in der sie eben erst hineingewachsen waren.

Gió Di Sera 2016

Doch wie sehen sich die jungen Geflüchteten eigentlich selber? Wirklich nur als passive Opfer schrecklicher Umstände, als Bedürftige und vom Wohlwollen anderer Abhängige? Oder auch als aktive Menschen, die mit – oder ohne – ihre Familien ihr Leben in die Hand nehmen, um eigenständig nach einer besseren Zukunft zu suchen? Die die Chancen in dem neuen Land und nicht nur die Probleme sehen?

Das Portrait als Mittel zur Selbstreflektion

Ich bin da – junge Geflüchtete machen sich selbstbestimmt sichtbar.

In dem Projekt „Dignitas“ beschäftigen sich geflüchtete Jugendliche und junge Erwachsene zusammen mit Berliner Studenten und Dozenten der StreetUniverCity mit der künstlerischen Gattung des Portraits/ Selbstportraits in Form von Malerei, Fotografie, Plastik bzw. von Mischtechniken. Denn wie kaum eine andere Darstellungsform ermöglichen Portraits die Auseinandersetzung mit dem Thema Identität: Wer bin ich? Wer will ich sein? Wie sieht mich mein Umfeld? Wie möchte ich wahrgenommen werden?

Je nach persönlichen Interessen entscheiden sich die Kursteilnehmer, ob sie ausschließlich ausführend künstlerisch tätig oder auch als (auch durch sich selbst) dargestellte Person teilnehmen wollen. Zum Abschluss des Kurses werden die Werke sowohl in einem kunstaffinen Umfeld (z.B. einer Galerie) präsentiert;

Angestrebt ist anschließend an das Projekt ausgewählte Motive großformatig im Berliner Straßenbild zu plakatierten und in Nahverkehrsmitteln (z.B. der U-Bahn) zu zeigen. Wir sind dabei zu diesem Zweck Spenden- und /oderSponsormittel zu akquirieren. Es liegen Zusagen zur Unterstützung dieses Vorhabens vor.

Vorgehensweise

Zum Auftakt des Kurses werden 2 Berliner kulturelle Einrichtungen besucht, die, wie z.B. die Berliner Gemäldegalerie im Kulturforum, oder auch die Berlinische Galerie eine gewisse Bandbreite an künstlerischen Portraits zeigen. Dies ermöglicht nicht nur das Sammeln von visuellen Eindrücken zur Verschiedenartigkeit dieser Kunstgattung. Es ist latent auch eine Heranführung an die kulturellen Möglichkeiten der Stadt Berlin sowie eine, noch, intuitive Auseinandersetzung mit den portraitierten Menschen, die teils Personen der (meist europäischen) Geschichte sind und die dazu einladen könnten, sich mit der Entwicklung des Kontinents zu beschäftigen.

Darüber hinaus ist eine Führung zum Thema Portraits, Selbstbildnis als Alter Ego in der Streetart vorgesehen.

In den Kursräumen werden die Ausstellungen später mithilfe der mehrsprachigen Juniordozenten und der Kursleitung sowohl verbal als auch in Form von ersten künstlerischen Experimenten reflektiert. Parallel dazu werden wichtige, deutschsprachige Begriffe im Zusammenhang mit dieser Auseinandersetzung eingegrenzt und als Lernvokabular angeboten.

Es ist ein wichtiger Aspekt des Projekts regelmäßige Begegnungen der Kursteilnehmer mit Studenten, Alumnis und Juniordozenten der Streetunivercity zu den Themen Zusammenleben, Integration, Aussichten (insbesondere auf dem Arbeitsmarkt) zu ermöglichen.

10 Begegnungstermine sind geplant.

Nach der ersten Experimentierphase, in der unterschiedliche künstlerische Techniken, aber auch Variationen der (Selbst-) Darstellung von Kursteilnehmern erprobt werden können, beginnt die Konkretisierungsphase: Wie wird wer dargestellt? Wie sehen sich die Teilnehmer selbst? Welche künstlerischen Umsetzungstechniken bieten sich jeweils an?

Beide Phasen bieten die Möglichkeit, sich sowohl verbal als auch nonverbal mit persönlichen Wünschen, Emotionen, aber auch Traumata auseinanderzusetzen. Seitens des Kursanbieters wird dabei größter Wert auf gegenseitigen Respekt jenseits von Nationalismus, Rassismus, Sexismus oder religiöser Diskriminierung gelegt: Nur so ist es den einzelnen Teilnehmern möglich, sich angstfrei zu öffnen und sowohl ihr menschliches als auch künstlerisches Potenzial zu zeigen.

Hintergrund

Malerei, Fotografie und andere Ausdrucksformen der bildenden Kunst bieten jenseits von Sprachkompetenzen gleichermaßen die Möglichkeiten zur Kommunikation als auch zur inneren Einkehr. Die therapeutischen Effekte des künstlerischen Ausübens sind dabei längst bewiesen. Die Portraitkunst lädt darüber hinaus zur Reflektion ein: Welche Facetten an einer/ der eigenen Person sind besonders prägend? Und: Sind vermeintliche Mängel und Schwächen nur negativ? Oder vielmehr Kennzeichen von Individualität und Menschlichkeit? In einer diskrimienierungsfreien Atmosphäre entstanden, sind Portraits auch eine Form von Selbstermächtigung und Selbstbestätigung: Das bin ich, das sind wir. So fand eine in Eigenregie hergestellte Portraitserie von Kindern und Jugendlichen migrantischer Herkunft, die im Vorfeld der Ausstellung „StreetUniverCity – Die soziale Skulptur“ entstanden ist, nicht nur in der Öffentlichkeit große Beachtung und Anerkennung. Auch die Portraitierten selber fühlten sich als Individuen ernst genommen.

Wir arbeiten mit der Willkommensklasse der Refik-Veseli-Schule in Kreuzberg, die mit Begeisterung als Kooperationspartner am Projekt teilnehmen möchte.